• JensSpahnpasta@feddit.org
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    3 days ago

    Die Zahlen sprechen für sich: Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?

    Ich war letztens doch etwas überrascht, als ich mir das mit der Arbeitsproduktivität mal angeschaut habe.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsproduktivität

    Dieser Wert ist also wirklich nur Bruttoinlandsprodukt durch insgesamt geleistete Arbeitsstunden. Das erklärt auch, warum er seit sechs Jahren so wenig steigt. War da etwas? Etwa mit Corona und zerrissenen Lieferketten, die dann erst mühsam wieder gepflickt werden mussten, mit viel Arbeitsaufwand und wenig BIP-Auswirkungen mit explodierenden Energiekosten, wo man dann im laufenden Betrieb wild herumdonglieren musste. Oder mit völlig abstrusen Dingen, die ein US-Präsident im Zollwesen produziert. Das sind natürlich alles total unproduktive Dinge.

    Aber dieses Framing im Artikel ist extremistisch. Im Endeffekt kloppen dort Millionen Arbeitnehmer richtig ran, damit der Laden trotz all dem, was da draußen passiert, irgendwie noch läuft. In einer besseren Welt, ohne all diese Probleme, wäre es sicherlich möglich, dass sie diese Energien in eine wirkliche Steigerung des Bruttoinlandsproduktes stecken könnten. Allerdings haben wir diese Welt nicht. Jetzt hier irgendwelche Arbeitnehmer zu beschimpfen, dass sie unproduktiv sind, ist schlimm.

    Diese merkwürdige Sicht springt einen aus diesem Zitat auch wunderbar an:

    “Es kommt ja nicht von ungefähr, dass der staatliche Sektor neben der IT der Sektor ist, wo die Beschäftigung am stärksten wächst. Denken Sie an die vielen Menschen, die Berichtspflichten nachkommen im Auftrag von irgendwelchen Gesetzen, die Nachhaltigkeitsberichte schreiben. Hinzu kommen Beauftragte für dies und das.”

    Natürlich ist der vielgescholtene “Leiterbeauftragte” hier unproduktiv. Wenn alle Arbeitnehmer wieder regelmäßig von den ungewarteten Leitern fallen, dann ist das megagut für das BIP. Rettungskräfte kosten. Bestattungen sind teuer. Leute reisen zur Beerdigung an. Anwälte verdienen super an den Klagen. Vielleicht gibt es vorher sogar noch einen kostspieligen Krankenhausaufenthalt, so schön mit Hubschrauber und Intensivstation! So ein Arbeitnehmer, der von der Leiter im Betrieb fällt, dürfte locker 100.000€ für das BIP erwirtschaften und wenn dieser fiese Leiterbeauftragte das verhindert, dann ist das unproduktiv!

    Die wirklich unproduktiven Jobs sind übrigens die Rentiers, die einfach nur Dividenden abgreifen oder irgendwelche Mietzahnungen und einfach gar nichts machen.

    • Don_alForno@feddit.org
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      2 days ago

      Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?

      Aaaaaaaaaah! Hass! Hass! Blanker Hass! Verdammter KI Pampe verbreitender Lohnschreiberling! Die Produktivität geht nicht zurück, das Wachstum der Produktivität geht zurück, aber sie wächst nach wie vor! Steht zwei Sätze vorher im eigenen Text, aber ist anscheinend noch immer zu kompliziert!

    • FooBarrington@lemmy.world
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      3 days ago

      Während die Arbeitsproduktivität in den 1980er- und 1990er-Jahren noch um rund zwei Prozent jährlich zunahm, ist sie in den vergangenen sechs Jahren im Schnitt nur noch um 0,3 Prozent jährlich gewachsen. Also kaum. Gemeint ist die Wirtschaftsleistung, die jeder Erwerbstätige im Durchschnitt erbringen kann. Woran liegt es, dass die Produktivität in Deutschland stetig zurückgeht?

      Bin ich gerade blöd, oder ergibt der Absatz tatsächlich keinen Sinn?

      • JensSpahnpasta@feddit.org
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        3 days ago

        Die Berechnungsgrundlage ist geistig frittiert: Das ist ja BIP zu Arbeitsstunden. Das BIP unterliegt aber auch der Inflation und die lag über 0,3%. Rein theoretisch hast du also dann weniger “Wert” erwirtschaftet, weil alles teurer geworden ist. Ist bei so externen Preisschocks wie dem Ukrainekrieg halt eine dumme KPI

    • Klostein@reddthat.com
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      3 days ago

      Dämlich, auf Nachhaltigkeit rumzuhacken. Ich finde es schön, wenn nicht alles verdreckt ist, nur weil ein Unternehmen finanzielle Kosten sparen wollte. Man sollte sich lieber dafür einsetzen entsprechende Regeln weltweit geltend zu machen anstatt ständig über zu viel (deutsche) Bürokratie zu jammern. Gleiches gilt auch für Arbeitnehmerrechte. Dann hätte auch kein Land mehr einen Standortvorteil nur weil man dort auf Mensch und Umwelt scheißt.

    • BigShammy80@feddit.org
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      3 days ago

      Was ich momentan alleine nur für irgendwelchen Papierkram an Zeit aufwenden muss, das ist echt nicht mehr schön.

      Verpackungsverordnung, Holzverordnung, Exportvorschriften, REACH, ROHS usw.

      Es wird immer mehr Papierkram, der im Endeffekt nur Zeit/Arbeit kostet, aber keinen Gewinn bringt.

      • JensSpahnpasta@feddit.org
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        3 days ago

        Ich weiß ja nicht. Gerade wenn man in die Vergangenheit schaut, merkt man, dass die entsprechenden Verordnungen wie REACH absolut einen Sinn machen. Es macht total Sinn, dass die Industrie nicht durch die Gegend rennen kann und überall irgendwelche Ewigkeitschemikalien, die giftig sind und die man nie wieder aus dem Trinkwasser bekommt (oder wenn nur mit Millionen Euro Kosten) in die Umgebung kippt.

        Hier in der Umgebung hat zum Beispiel eine Wäscherei großflächig das Trinkwasser verseucht. Im Ergebnis steht, dass diverse Anwohner ihre Gärten nicht mehr mit Brunnenwasser bewässern müssen und teuer an die Trinkwasserversorgung angeschlossen werden mussten. Dazu kommen dann noch zigtausende Euro an Kosten, um das zu monitoren und natürlich die entsprechende Vergiftung der Umgebung. Der Betreiber dieser Wäscherei hätte sich natürlich auch furchtbar über eine Verordnung aufgeregt, die ihm verbietet, Sachen ins Grundwasser zu kippen.

        • BigShammy80@feddit.org
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          3 days ago

          Ja, das kann alles sein… Fakt ist aber, es verursacht eine Menge Mehrarbeit, die halt nicht “produktiv” ist…

      • luciferofastora@feddit.org
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        3 days ago

        Wenn der Gewinn auf Kosten der Sicherheit und Nachhaltigkeit geht und entsprechend bessere Sicherheitsvorkehrungen und Nachhaltigkeitsvorschriften den (finanziellen) Gewinn schmälern, sollten wir über die Prioritäten nachdenken. Fairerweise müsste ein Artikel über reduzierten Gewinn dann also auch erwähnen, welchen Preis wir für den vormals höheren (finanziellen) Gewinn wirklich gezahlt haben, der sich eben nicht so leicht in Geldsummen beziffern lässt. Menschenleben, Gesundheit, Umwelt sind auch ein Gewinn.

        Gut, vielleicht könnte/sollte man den Papierkram bündeln, um redundante Datenerfassung zu minimieren. Manche Vorschriften könnten bestimmt mittlerweile überarbeitet und besser dokumentiert werden. Viel könnte man sicher auch mit moderner Technik optimieren.

        Aber RoHS als “nur Zeit/Arbeit [die] keinen Gewinn bringt” zu betrachten klappt nur, wenn man Leben als wertlos betrachet.

        • BigShammy80@feddit.org
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          2 days ago

          Ich meinte damit, dass diese Dinge Zeit kosten und Arbeit verursachen, die dem Betrieb keinen Gewinn bringen. Das so was sinnvoll ist, darüber müssen wir nicht reden.

        • 0x442E472E@feddit.org
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          2 days ago

          Ich stimme dir ja grundsätzlich zu, aber es liest sich so, als würden Sicherheits- oder Nachhaltigkeitsvorschriften deiner Meinung nach grundsätzlich zu einer besseren Sicherheit oder Nachhaltigkeit führen. Das Thema finde ich schwierig. Die Prüfung erfolgt ja in der Regel über Dokumentations- und Nachweispflichten, also der Staat stellt keine Aufsichtsperson ans Fließband, die zu jeder Zeit live die Prozesse überwacht. Stattdessen wird die Dokumentation in Stichproben plausibilisiert und mit Werten aus anderen Quellen gegengeprüft. Etwas zu dokumentieren erzeugt viel Aufwand, und eine Sache nachweisen zu können ist oft schwieriger als die Sache selbst. Das erzeugt also erst Mal mega Aufwand und bringt keinen Gegenwert. Man muss da schon jede einzelne Pflicht bewerten, ob sie über alle Unternehmen hinweg einen positiven Effekt hat, der den Preis wert ist.

          Konstruiertes Beispiel, weil der Text irgendwie so lang geworden ist: ich finde es gut, dass Fabriken keine Säure in die Flüsse spülen dürfen. Aber wenn das von 100 Fabriken nur eine getan hat, bevor es verboten wurde, haben 99 Fabriken jetzt aufwendige Nachweispflichten, die keinen Mehrwert bringen und deren Produktion teurer macht. Und was ist, wenn es mega aufwendig ist, nicht Säure in Flüsse zu spülen? Dann wandern die Fabriken vielleicht ins Ausland ab. In Summe wird dann aber nicht weniger Säure in Flüsse gespült. Schwieriges Thema

          • luciferofastora@feddit.org
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            2 days ago

            aber es liest sich so, als würden Sicherheits- oder Nachhaltigkeitsvorschriften deiner Meinung nach grundsätzlich zu einer besseren Sicherheit oder Nachhaltigkeit führen.

            Da hast du Recht. Nicht alle Vorschriften erreichen ihr Ziel, und nicht immer ist das Ziel überhaupt gewinnbringend.

            Ich richte mich mit meinem Kommentar eher gegen die Rhetorik der Deregulation, die oft nur auf finanziellen Preis hinweist und den immateriellen Gewinn unterschlägt. Zu behaupten, dass sie kollektiv nichts erreichen würden, ist reduktiv.

            Die speziellen Beispiele REACH und RoHS sind definitiv wichtig hinsichtlich ihrer Ziele, und ich wüsste nicht, dass sie diese Ziele vollumfänglich verfehlen würden.

            Das erzeugt also erst Mal mega Aufwand und bringt keinen Gegenwert.

            Zumindest keinen, der sich direkt beziffern lässt. Genau das ist ja mein Argument: Wenn Leben und Umwelt geschont werden, ist das ein Gegenwert. Die streng kommerzielle Betrachtung, dass Sicherheitsvorschriften nur Geld kosten, unterschlägt halt die sozialen Kosten unsicherer Praktiken.

            Man muss da schon jede einzelne Pflicht bewerten, ob sie über alle Unternehmen hinweg einen positiven Effekt hat, der den Preis wert ist.

            Da würde ich gerne hinterfragen, wie der Effekt und Preis vewertet werden. Wenn eine Sicherheitsvorschrift z.B. 5 Leben im Jahr retten, dafür aber Mehraufwand in höhe von 50 Millionen Euro fordern würde, wäre das deiner Meinung nach den Preis wert?

            Das schwierige ist natürlich, objektiv festzustellen, dass die Abwesenheit der Vorschrift zu Unfällen geführt hätte. Manches lässt sich an Statistiken schätzen, aber irgendwo müssen wir immer priorisieren, ob uns konkretes Geld wichtiger als potenzielle Risiken ist.

            Aber wenn das von 100 Fabriken nur eine getan hat, bevor es verboten wurde, haben 99 Fabriken jetzt aufwendige Nachweispflichten, die keinen Mehrwert bringen und deren Produktion teurer macht.

            Das ist leider ein häufiges Phänomen in Punkto Vertrauen: Solange wir einander vertrauen können, dass wir alle die Umwelt ernstnehmen und keine Säuren in die Flüsse pumpen, ist es für uns alle einfacher.

            Sobald eine Fabrik dieses Vertrauen verletzt, ruiniert sie das potenziell für alle. Dann müssen wir kontrollieren, was allen mehr Kosten verursacht, inklusive der ursprünglichen Sünder die damit also langfristig nichts gewonnen und sich nur selbst in den Fuß geschossen haben (und allen anderen gleich mit). Aber kurzfristig haben sie halt gehofft, so lange wie möglich damit davonzukommen und Geld zu sparen.

            Wenn wir hier argumentieren, dass es unfair wäre, den anderen diese Nachweispflicht aufzuhalsen, ist die Frage, ab wann das fair ist. Woher sollen wir wissen, ob sie nicht auch aus Wettbewerbsdruck heraus anfangen Säure in den Fluss zu pumpen, wenn wir das nicht kontrollieren?

            Und was ist, wenn es mega aufwendig ist, nicht Säure in Flüsse zu spülen?

            Umso größer ist der Druck für die Fabriken, das doch zu tun, und entsprechend ist es auch wichtiger, sicherzustellen, dass das nicht geschieht, und gegebenenfalls die Strafen deutlich schmerzhafter als die Einsparungen zu machen.

            Wie viel Schaden ist “akzeptabel”, um den Fabriken Aufwand zu sparen?

            (RoHS z.B. beantwortet diese Frage mit Schwellwerten, unterhalb derer das weitere Bereinigen der Materialien sowie das Überprüfen nicht mehr praktikabel ist. Das ist also ein Zugeständnis an die Grenzen des Möglichen.)

            Dann wandern die Fabriken vielleicht ins Ausland ab.

            Dass sie Unrecht woanders begehen könnten ist kein gutes Argument, hier Unrecht zuzulassen.

            Es gibt aber auch zwei finanzpolitische Mittel, solchen Praktiken entegenzuwirken und Inland-Industrie zu stärken: Subventionen und Steuern / Zölle.

            Klar, das funktioniert nur bei Sachen, die wir auch hier produzieren können. Wenn die Betreiber obiger Fabriken ihre Produktion ins Ausland auslagern, dabei dann hiesiges Personal entlassen und Produktionsgelände verkaufen, haben wir zumindest Land und Arbeitskräfte mit relevanter Erfahrung. Die Maschinen werden die Firmen wohl mitnehmen, also bräuchten eventuelle Gründer Starthilfe, um neue zu besorgen und Arbeiter zu bezahlen bis sie anfangen, Umsatz zu machen.

            Sobald die Produktion anläuft und ein inländisches Angebot besteht, können Importe mit Zöllen belegt werden, um den inländischen Produkten einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, der die Mehrkosten durch verantwortliche Entsorgung von Säuren ausgleicht, und mit den Zöllen wiederum die Subventionen wieder reinzuholen.

            So oder so kann es sein, dass das für Verbraucher nachher mehr kostet. Das bringt uns dann wieder zurück zur Frage, wie wir den Wert dieser verschiedenen Vorschriften jeweils bemessen.

            Schwieriges Thema

            Das schwierigste ist, dass wir überhaupt diskutieren müssen, wie viel Aufwand und vor allem wie viel Geld uns Leben, Gesundheit, Umwelt und Zukunft wert sind. Der Mechanismus, der solche Kontrollen notwendig macht, ist schlichtweg Gier. An dem Punkt, an dem bekannt wird, dass etwas schädlich ist, sollten alle aufhören, das zu verwenden. Könnte man sich darauf verlassen, dass die Info alleine ausreicht, Chefs und Arbeiter beim Gewissen zu packen, wäre der ganze Papierkram hinfällig.

            Aber so lange es Leute gibt, die ihre Mitmenschen fahrlässig oder mutwillig vergiften oder gefährden, unsere Umwelt zerstören und die Zukunft verkaufen um sich kurzfristig zu bereichern müssen wir eben versuchen, dem einen Riegel vorzuschieben. Dass das mehr kostet ist nicht die Schuld des Staats (auch wenn, wie gesagt, einiges optimiert oder neu betrachtet werden muss).

            Das ist die Schuld der Gierigen, die uns in diesen Kampf zwingen.