Finde das Streikrecht wichtig, frage mich nur manchmal, ob es nicht auch Streinformen gäbe, die gezielter den Arbeitgeber treffen, statt der Kunden. Würde ja reichen, wenn man leute zB kostenlos befördert und sich weigert Tickets zu verkaufen. Würde vermutlich mehr Unterstützung im der Bevölkerung zur Folge haben.



Von meiner Seite darf man das Gehalt der Betroffenen gerne erhöhen, darum geht es mir überhaupt nicht. Aus meiner Sicht sollte das aber nicht mit der Wichtigkeit der Tätigkeit begründet sein, sondern mit der Tätigkeit an sich (Zeitaufwand, , körperlich/geistig anstrengend, persönliche Risiken etc.).
Eine Reinigungskraft im Krankenhaus hat einen wesentlich wichtigeren Job als eine Reinigungskraft in einem Bürogebäude. Eine schlecht gereinigte Türklinke kostet im Krankenhaus schlimmstenfalls Menschenleben.
Dass jetzt aber Reinigungskräfte deshalb, weil ihr Job systemkritisch ist, einen wesentlich stärkeren Hebel in Gehaltsverhandlung haben haben als die Menschen mit einer ähnlichen Tätigkeit im normalen Büro, finde ich auch schwierig.
Wenn in der Archäologie mal für ne Woche die Ausgrabungen unterbrochen werden, ist das erstmal halb so schlimm. Eine Woche ÖPNV-Streik wäre dagegen schon heute ziemlich fatal.
Aus meiner Sicht müssten allen Angestellten faire Gehälter gezahlt werden, unabhängig davon, wie schnell das Einstellen ihrer Arbeit zum gesellschaftlichen Kollaps führt. Das bildet das Streikrecht meiner Meinung nach aktuell nur unzureichend ab. Für mich müsste man einen Weg finden, Druck auf die Arbeitgeber aufzubauen, ohne - und das ist aktuell nur in einzelnen Branchen so - der gesamten Gesellschaft massiv zu schaden.
Eine Debatte darüber wie sowas aussehen könnte, fände ich sehr spannend. Aber scheinbar ist man hier direkt ein Klassenfeind, wenn man den Gedanken eines anderen (statt herkömmlichem Streik keine Ticketkontrolle mehr") interessant findet.
Jede Gesellschaft hat das Streikrecht, das sie sich erkämpft. Ursprünglich gab es nämlich überhaupt kein Streikrecht. Die Leute haben trotzdem gestreikt, obwohl das durchaus lebensgefährlich war, denn Streikende hat man früher auch gerne mal einfach niedergeschossen.
Irgendwann hat man Streiks halt (üblicherweise in einem sehr engen Rahmen) legalisiert.
In Deutschland ist dieser Rahmen übrigens viel enger, als in anderen Ländern. Die meisten deutschen Gewerkschaften gefallen sich auch noch darin, denn das bringt Aufsichtsrats-Pöstchen und eine Drehtür in die SPD für ihre hohen Funktionäre. In anderen Ländern ist das teilweise anders. In Schweden wird z.B. schon seit mehreren Jahren Tesla bestreikt, weil sie sich weigern, einen Tarifvertrag zu unterschreiben. Die werden da aber nicht nur von ihren eigenen Arbeitern bestreikt, sondern von praktisch allen schwedischen Gewerkschaften, weil die eben untereinander solidarisch sind. Die können nicht mal eine Ladestation
aufstellenreparieren lassen, weil die meisten Elektriker in der Gewerkschaft sind und sich weigern, das zu tun. Sogar Gewerkschaften in Nachbarländern machen da mit. Solidaritäts- bzw. Sympathiestreiks sind in Deutschland verboten.Danke, das geht ja dann in die Richtung, die ich meine. Wenn andere Länder ein weiter gefasstes Streikrecht haben, dann finde ich erstmal auch Vorschläge zu anderen Streikformen legitim, auch wenn die Stand heute illegal sind. Wenn die Bahn-Bediensteten geschlossen hinter so einer Maßnahme stünden, könnte genauso wenig jemand etwas dagegen tun wie in anderen Ländern.
Die Aussage, ein Streik bei der Bahn müsste allen weh tun, damit sich im Management etwas bewegt finde ich gerade in Hinblick auf dein Beispiel fragwürdig. Würden die Angestellten eine Form des Streiks wählen, die die Allgemeinheit weniger trifft, wäre womöglich auch mit größerer Solidarität zu rechnen, nicht?
Fällt das in deinem Beispiel nicht unter die normale Geschäftsfreiheit der Betriebe? Auch in Deutschland dürfte doch kein Elektrofachbetrieb verpflichtet sein, Teslas Aufträge anzunehmen, wenn man das übernehmen boykottieren möchte.
Die Arbeiter der Betriebe weigern sich, an Aufträgen von Tesla zu arbeiten. Das ging sogar so weit, dass die Mitarbeiter von Zulassungsstellen zeitweise keine Anmeldungen von deren Karren bearbeitet haben.