Finde das Streikrecht wichtig, frage mich nur manchmal, ob es nicht auch Streinformen gäbe, die gezielter den Arbeitgeber treffen, statt der Kunden. Würde ja reichen, wenn man leute zB kostenlos befördert und sich weigert Tickets zu verkaufen. Würde vermutlich mehr Unterstützung im der Bevölkerung zur Folge haben.

  • rbn@sopuli.xyz
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    8 days ago

    Danke, ergibt Sinn. Weißt du, ob das Streikrecht dahingehend anders ist in anderen europäischen Ländern. Mir schien der Vorschlag weiter oben eigentlich sehr einleuchtend zu sein, dass man so ohne Kollateralschäden wirkungsvoll streiken könnte im ÖPNV. Zumindest halte ich es für schwierig, wenn wir den Individualverkehr zurückfahren wollen als Gesellschaft, dann im ÖPNV Streiks ohne Alternative zu haben. Es gibt ja auch wichtige Termine, die man nicht verschieben kann. Und so viele Taxis zu haben, die das abfangen, dann aber 90% der Zeit nur rumstehen, erscheint auch wenig effizient.

    • ladicius@lemmy.world
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      8 days ago

      Alle Deine Fragen zielen darauf ab, die Solidarität innerhalb der Arbeiterschaft zu unterhöhlen… Kein Vorwurf an Dich, sondern ein Deckanstoß. Es gibt nämlich keinen Streik, der die Führungsetage trifft - es gibt allerdings Streiks, die hoffentlich andere dazu bewegen, der Führungsetage mit Anlauf vors Schienenbein zu treten.

      Und das auch: Wenn wir anfangen, Mitarbeiter im ÖPNV von wirksamen Streiks abzuhalten, werden die Arbeitsbedingungen dort schnell so unattraktiv, dass niemand mehr dort arbeiten will. Zwingen wir dann Menschen, Bus zu fahren, oder was? Willst Du dann der sein, der gezwungen wird?

      Bisschen mitdenken, Kollege, und bitte nicht die Propaganda vom Feind im Anzug nachplappern. Danke.

      • rbn@sopuli.xyz
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        8 days ago

        Mir jetzt Propaganda vorzuwerfen, weil ich eine Frage gestellt habe, finde ich ehrlich gesagt ziemlich toxisch. Macht nicht unbedingt Spaß, so mit dir in Dialog zu treten.

        Ich finde, dass der ÖPNV ein sehr bedeutender Teil der Infrastruktur in Deutschland ist und dass er mit hoffentlich zunehmender Bedeutung immer kritischer wird. Wenn Leute ihr Auto abschaffen, muss sichergestellt sein, dass wichtige Termine wahrgenommenen werden können. Wenn ein Dialysepatient drei mal die Woche ins Krankenhaus muss, dann muss das funktionieren. Da darf dann der ÖPNV nicht einfach ausfallen, egal ob es schlechtem Wetter, einer Pandemie oder einem Streik geschuldet ist. Und dass dann beim Streik alle plötzlich Taxi oder Krankentransport nutzen, ist auch völlig utopisch, da es nicht für einen Tag im Jahr derart große Reserven gibt, die sonst nur rumstehen.

        Meiner Meinung nach sollte der komplette ÖPNV genau aus diesem Grund verbeamtet sein. Wenn es andere Möglichkeiten gibt, die ein Streikrecht und zumindest einen verlässlichen und trotzdem flächendeckenden Notbetrieb ermöglichen, bin ich da aufgeschlossen. Aber einfach “heute ist nix mit Öffis” geht nicht.

        Zwingen wir dann Menschen, Bus zu fahren, oder was? Willst Du dann der sein, der gezwungen wird?

        Wie fändest du es denn, wenn die Wasserwerke streiken oder ein Kraftwerk und ganze Städte plötzlich durstig im Dunkeln vor sich hin frieren? Oder alle Ärzte mal ne Woche Zuhause blieben? ÖPNV ist aus meiner Sicht eine ziemlich ähnliche kritische Infrastruktur.

        • trollercoaster@sh.itjust.works
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          7 days ago

          Tja, das wäre ganz einfach zu bewerkstelligen, indem man die Leute, die beruflich gesellschaftlich essentielle Dinge tun, so bezahlt und behandelt, als würden sie was gesellschaftlich essentielles tun. Wenn man das nicht tut, kann es halt sein, dass die Leute ihre Arbeit entsprechend ihrer Bezahlung und Behandlung verrichten, also z.B. halt auch mal streiken.

          • rbn@sopuli.xyz
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            7 days ago

            Von meiner Seite darf man das Gehalt der Betroffenen gerne erhöhen, darum geht es mir überhaupt nicht. Aus meiner Sicht sollte das aber nicht mit der Wichtigkeit der Tätigkeit begründet sein, sondern mit der Tätigkeit an sich (Zeitaufwand, , körperlich/geistig anstrengend, persönliche Risiken etc.).

            Eine Reinigungskraft im Krankenhaus hat einen wesentlich wichtigeren Job als eine Reinigungskraft in einem Bürogebäude. Eine schlecht gereinigte Türklinke kostet im Krankenhaus schlimmstenfalls Menschenleben.

            Dass jetzt aber Reinigungskräfte deshalb, weil ihr Job systemkritisch ist, einen wesentlich stärkeren Hebel in Gehaltsverhandlung haben haben als die Menschen mit einer ähnlichen Tätigkeit im normalen Büro, finde ich auch schwierig.

            Wenn in der Archäologie mal für ne Woche die Ausgrabungen unterbrochen werden, ist das erstmal halb so schlimm. Eine Woche ÖPNV-Streik wäre dagegen schon heute ziemlich fatal.

            Aus meiner Sicht müssten allen Angestellten faire Gehälter gezahlt werden, unabhängig davon, wie schnell das Einstellen ihrer Arbeit zum gesellschaftlichen Kollaps führt. Das bildet das Streikrecht meiner Meinung nach aktuell nur unzureichend ab. Für mich müsste man einen Weg finden, Druck auf die Arbeitgeber aufzubauen, ohne - und das ist aktuell nur in einzelnen Branchen so - der gesamten Gesellschaft massiv zu schaden.

            Eine Debatte darüber wie sowas aussehen könnte, fände ich sehr spannend. Aber scheinbar ist man hier direkt ein Klassenfeind, wenn man den Gedanken eines anderen (statt herkömmlichem Streik keine Ticketkontrolle mehr") interessant findet.

            • trollercoaster@sh.itjust.works
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              7 days ago

              Das bildet das Streikrecht meiner Meinung nach aktuell nur unzureichend ab.

              Jede Gesellschaft hat das Streikrecht, das sie sich erkämpft. Ursprünglich gab es nämlich überhaupt kein Streikrecht. Die Leute haben trotzdem gestreikt, obwohl das durchaus lebensgefährlich war, denn Streikende hat man früher auch gerne mal einfach niedergeschossen.

              Irgendwann hat man Streiks halt (üblicherweise in einem sehr engen Rahmen) legalisiert.

              In Deutschland ist dieser Rahmen übrigens viel enger, als in anderen Ländern. Die meisten deutschen Gewerkschaften gefallen sich auch noch darin, denn das bringt Aufsichtsrats-Pöstchen und eine Drehtür in die SPD für ihre hohen Funktionäre. In anderen Ländern ist das teilweise anders. In Schweden wird z.B. schon seit mehreren Jahren Tesla bestreikt, weil sie sich weigern, einen Tarifvertrag zu unterschreiben. Die werden da aber nicht nur von ihren eigenen Arbeitern bestreikt, sondern von praktisch allen schwedischen Gewerkschaften, weil die eben untereinander solidarisch sind. Die können nicht mal eine Ladestation aufstellen reparieren lassen, weil die meisten Elektriker in der Gewerkschaft sind und sich weigern, das zu tun. Sogar Gewerkschaften in Nachbarländern machen da mit. Solidaritäts- bzw. Sympathiestreiks sind in Deutschland verboten.

              • rbn@sopuli.xyz
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                7 days ago

                Danke, das geht ja dann in die Richtung, die ich meine. Wenn andere Länder ein weiter gefasstes Streikrecht haben, dann finde ich erstmal auch Vorschläge zu anderen Streikformen legitim, auch wenn die Stand heute illegal sind. Wenn die Bahn-Bediensteten geschlossen hinter so einer Maßnahme stünden, könnte genauso wenig jemand etwas dagegen tun wie in anderen Ländern.

                Die Aussage, ein Streik bei der Bahn müsste allen weh tun, damit sich im Management etwas bewegt finde ich gerade in Hinblick auf dein Beispiel fragwürdig. Würden die Angestellten eine Form des Streiks wählen, die die Allgemeinheit weniger trifft, wäre womöglich auch mit größerer Solidarität zu rechnen, nicht?

                Solidaritäts- bzw. Sympathiestreiks sind in Deutschland verboten

                Fällt das in deinem Beispiel nicht unter die normale Geschäftsfreiheit der Betriebe? Auch in Deutschland dürfte doch kein Elektrofachbetrieb verpflichtet sein, Teslas Aufträge anzunehmen, wenn man das übernehmen boykottieren möchte.

                • trollercoaster@sh.itjust.works
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                  7 days ago

                  Fällt das in deinem Beispiel nicht unter die normale Geschäftsfreiheit der Betriebe? Auch in Deutschland dürfte doch kein Elektrofachbetrieb verpflichtet sein, Teslas Aufträge anzunehmen, wenn man das übernehmen boykottieren möchte.

                  Die Arbeiter der Betriebe weigern sich, an Aufträgen von Tesla zu arbeiten. Das ging sogar so weit, dass die Mitarbeiter von Zulassungsstellen zeitweise keine Anmeldungen von deren Karren bearbeitet haben.

        • ClemensG@digitalcourage.social
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          8 days ago

          @rbn

          Du schreibst: “Wenn Leute ihr Auto anschaffen, muss sichergestellt sein, dass wichtige Termine wahrgenommenen werden können. Wenn ein Dialysepatient drei mal die Woche ins Krankenhaus muss, dann muss das funktionieren.”

          Als Taxifahrer mit vielen Krankenfahrten, insbesondere Dialyse-Patienten, der Hinweis, dass die gesetzlichen Krankenkassen solche Fahrten mit dem Taxi bezahlen, weil die PatientInnen besonders nach der Behandlung häufig so maddelig sind, dass die auf keinen Fall selber Auto fahren sollen. Und ein abgesenktes Immunsystem ist auch ein guter Grund, ÖPNV-Massenbeförderungen zu meiden.

          @ladicius

          • rbn@sopuli.xyz
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            8 days ago

            Danke für die Anmerkung. Der Dialysepatient sollte auch nur ein Beispiel sein. Meinetwegen nimm stattdessen das medizinische Personal, welches die Dialyse durchführt. Auch die müssen irgendwie da hin kommen. So wie unzählige andere lebenswichtige und systemkritische Menschen täglich von A nach B kommen müssen.

            Wenn wir sagen, dass ÖPNV ruhig mal ein paar Tage ausfallen darf, nehmen wir ihm dadurch die Möglichkeit jemals das Auto als Haupttransportmittel abzulösen.

            Als Kompromiss könnte ich mir auch noch vorstellen, dass der ÖPNV während des Streiks zwar fährt, aber eben nur ausgewählte Personen auch einsteigen dürfen. Allerdings fürchte ich, dass den Streikenden dabei mehr Unverständnis entgegengebracht würde als weniger. Und zu definieren, welche Fahrt wichtig genug ist, wäre auch nicht trivial.

            • zaphod@sopuli.xyz
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              7 days ago

              Eigentlich müssten die meisten Leute zuhause bleiben, weil sie nicht zur Arbeit kommen, oder nicht in die Innenstadt zum Einkaufen. Ein eingeschränkter ÖPNV könnte dann trotzdem ausreichen für die Leute die wirklich irgendwohin müssen. Die anderen Arbeitgeber/Einzelhandel/… müssten eigentlich Druck auf die Arbeitgeber im ÖPNV machen, damit es schnell zu einer Einigung kommt. Stattdessen versuchen alle trotzdem irgendwie zur Arbeit zu kommen und der Druck wird auf die Arbeitnehmer im ÖPNV geschoben.